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Vom schlafenden Apfel
und wie wir ihn in die Flasche kriegen

Blütenduft zwischen April und Mai

Im Baum, im grünen Bettchen, 
Hoch oben sich ein Apfel wiegt, 
Der hat so rote Bäckchen, 
Man sieht, dass er im Schlafe liegt.
 
Ein Kind steht unterm Baume, 
Das schaut und schaut und ruft hinauf: 
"Ach, Apfel, komm herunter! 
Hör endlich doch mit Schlafen auf!"
 

Wenige Wochen
später: Erste Rotbäckchen
Schwere Last für einen alten Baum

Es hat ihn so gebeten, - 
Glaubt ihr, er wäre aufgewacht? 
Er rührt sich nicht im Bette, 
Sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.
 

Da kommt die liebe Sonne 
Am Himmel hoch daherspaziert. 
"Ach Sonne, liebe Sonne, 
Mach du, dass sich der Apfel rührt!"
 

Fallobst sammeln und waschen
zerkleinern, Würmer und Druckstellen rausschneiden

Die Sonne spricht: "Warum nicht?" 
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht, 
Küsst ihn dazu so freundlich; 
Der Apfel aber rührt sich nicht.
 

Nun schau! Da kommt ein Vogel 
Und setzt sich auf den Baum hinauf. 
"Ei, Vogel, du musst singen, 
Gewiss, gewiss, das weckt ihn auf!"
 

Saftpresse füttern
Saft sammeln und mehrmals filtrieren

Der Vogel wetzt den Schnabel 
Und singt ein Lied so wundernett. 
Und singt aus voller Kehle; 
Der Apfel rührt sich nicht im Bett.
 

Und wer kam nun gegangen? 
Es war der Wind, den kenn ich schon, 
Der küsst nicht und der singt nicht, 
Der pfeift aus einem andern Ton.
 

Trester an die Schweine verfüttern
Saft kochen oder gleich trinken

Er stemmt in beide Seiten 
Die Arme, bläst die Backen auf 
Und bläst und bläst; und richtig, 
Der Apfel wacht erschrocken auf.
 

Und springt vom Baum herunter 
Grad in die Schürze von dem Kind; 
Das hebt ihn auf und freut sich 
Und ruft: "Ich danke schön, Herr Wind!"
 

Saft abfüllen
 


 

 

"Ich danke schön, Herr Baum!"
Reinick, Robert (1805-1852)